Elizaveta Ragozina (MA Medieninformatik)

Ich besuche ein Museum und sehe mir die Kunstwerke an

Selbstverständlich?

Nicht für blinde Menschen. Die Augen als Organ des Sehsinns mit dem wir bis zu 80% Informationen wahrnehmen, stellen für diese Gruppe eine Grenze dar. Die Folgen der Behinderung des Sehens sind, dass betroffene Personen auf andere Sinne angewiesen sind, um die Wahrnehmung zumindest teilweise zu kompensieren: primär auf Hören und Tastsinn.

Es existiertieren viele Sehbehindertenhilfen mit denen diese Grenze des Körpers im Alltag überwunden werden kann: Braille für textuelle Informationen, Audiobeschreibungen, Screenreaders, Sehbehindertenhunde und Blindenstöcke. Doch wie sieht es mit Kunst aus? Audio- oder Textbeschreibung von primär visuellen Kunstwerken können sicherlich eine Vorstellung schaffen, sind aber ein reduziertes Erlebnis. In Museen ist Anfassen häufig nicht erlaubt. Genau mit diesem Aspekt beschäftige ich mich bei diesem Projekt.

Kunst taktil erfahrbar machen

Und hier gilt: Mehr ist mehr! Es gibt noch immer zu wenige Kunstprojekte, die die Gruppe der sehbehinderten und blinden Menschen adressieren. Und es gibt so viele Materialien mit Textur, mit denen man das Taktile kreieren kann: Ton, Salzteig, Ölfarben, Pappe, Stein. Ich habe mehrere interessante Beispiele gefunden:

Kunst in der Rolle einer blinden Person erfahren

Inspiriert erstellte ich mehrere taktile Bilder mit Nutzung unterschiedlicher Materialien. Die Zielgruppe beschränkt sich nicht nur auf Menschen mit Sehbehinderung. Jeder kann bei der Ausstellung im Mai in die Rolle einer Person mit Sehbehinderung schlüpfen und die Kunst mit verbundenen Augen erleben!

Die taktile Variante von meinem Lieblingsbild “Der Wanderer über dem Nebelweg” von Caspar David Friedrich habe ich aus Salzteig produziert. Mit Watte wurde Nebel nachgestellt.

Die Sehnsucht nach Urlaub habe ich mit Pappe abgebildet.

Gefühle ertasten?

Ich möchte untersuchen, wie man Gefühle und Emotionen in Kunstwerken durch den Tastsinn ausdrücken kann. Hilf mir dabei, indem du folgendes Formular mit Gefühlen und Emotionen, die du mit den Materialien assoziierst, ausfüllst. Für die Ausstellung in Mai werde ich ausgehend von den Antworten eine taktile Gefühlskarte erstellen.

Die Grenze sehe ich nicht, ich ertaste sie